| | Dechsel
sind für die Wikingerzeit keine untypische Axtform. - Bei ihnen handelt
es sich um quer zum Schaft angebrachte Schneiden. Allerdings handelt es
sich bei den wikingerzeitlichen Querbeilen in der Regel um
Exemplare mit schmaler Schneide. Außerdem haben sich bei den Dechseln
zwei für die Wikingerzeit archaische Axtformen erhalten: Das sogenannte
Lappen-,
und das Tüllenbeil.
Beide Formen haben kein Schaftloch, wie man es von
heute noch gebräuchlichen Äxten kennt, sondern bestehen aus einer
Schneide, die am anderen Ende zu einer Tülle aufgerollt ist. Ist diese
Tülle geschlossen, sprich sind beide Enden miteinander verschweißt,
handelt es sich um ein Tüllenbeil.
Ist die Tülle dagegen noch offen, nennt man diese Axtform Lappenbeil. Zur
Schäftung benötigen diese Beile, egal ob quer oder entlang des
Schaftholzes angebracht, eine knieförmig gebogenes Stück Holz. Aufgrund
der starken Belastung des Schaftes während der Nutzung nutzte man
hierfür knieförmig gewachsene Holzpartien, wie die Übergänge vom Stamm
zu Ast oder Wurzelholz.
Sowohl Lappen- wie Tüllenbeil stammen
in ihren Ursprüngen aus der späten Bronzezeit und waren vor allem in
der Vorrömischen Eisenzeit gebräuchlich. Doch offenbar hat sich diese
Form bis in die Wikingerzeit als Dechsel erhalten. Die Ansprache als
Dechsel erfolgt dabei, vor allem durch die Stellung der
Schneide zur Tülle, welche bei diesen wikinzeitlichen Axt-Urformen
darauf hinweisen, dass sie vermutlich ausschließlich als Querbeile
Verwendung gefunden haben (zumindest in Haithabu). Dabei gibt
es sowohl Flachdechsel, mit gerader Schneide, wie auch verschiedene
Hohldechselformen, mit gerundeter Schneide.
Dechsel,
die ein Schaftloch wie eine Axt aufweisen, sind für die Wikingerzeit im
Verhältnis zu den gerade beschriebenen, kniegeschäfteten Formen eher
selten. Aus Haithabu gibt es bislang nur einen Fund. Dieser ist
gekrümmt und hat ein flaches, quer zum ovalen Schaftloch liegendes
Blatt. Die Unterseite trägt Schaftlochlappen und der ebene,
hammerartige Nacken ist durch eine Stauchungskerbe auf der Unterseite
vom übrigen Axtkörper abgesetzt. Einen formgleichen Dechsel gibt es aus
dem Werkzeugdepot von Mästermyr auf Gotland, das etwa um das Jahr 1000
datiert.
Noch
viel seltener sind sogenannte
Breitdechsel. Sie unterscheiden sich von den oben beschriebenen
Axtdechseln lediglich durch ihre breit ausgezogene Schneidenpartie. Ein
solches Exemplar befand sich ebenfalls im Depotfund von Mästermyr. In
Haithabu fehlt diese Werkzeugform bislang komplett. Dagegen gibt es
große Doppelbartäxte, die ebenfalls zum Schlichten größerer Flächen
genutzt werden können, aber eine andere Positionierung des Werkstücks
erfordern. Möglicherweise erklärt sich in dem Vorhandensein dieser
großen Äxte das Fehlen von Breitdechseln in Haithabu.
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