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| | | Die Haithabu-Tunika | | |
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| | Rekonstruktionsvorschlag einer Tunika nach Funden aus Haithabu (gefertigt und getragen von Stephan) | | |
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| | Im
Folgenden soll der Rekonstruktionsvorschlag einer (Unter-) Tunika nach
Fragmenten aus Haithabu vorgestellt werden. Stephan hat sich sowohl im
Original, wie auch über die Literatur mit den, von Inga Hägg
als Überreste von Oberbekleidung angesprochenen, Textilien auseinandergesetzt.
Der hier vorgestellte Schnitt resultiert aus seinen Recherchen. Ihm
liegen jedoch mehrere Fragmente zu Grunde, die von unterschiedlichen
Kleidungsstücken entstammen, jedoch zusammen mit anderen Textilien
Rückschlüsse über eine denkbare Konstruktionsweise zuließen.
Eines zeigen die Textilien aus Haithabu jedoch sehr genau: Sie waren in
der Regel sehr körperbetont. Die hier rekonstruierte Tunika
ist in etwa knielang. Bildliche Darstellungen vor allem
aus Westeuropa dieser Zeit deuten auf diese Annahme hin. Denn auch
die Körperbetonung dieser Herrenbekleidungsstücke findet
sich in den Darstellungen wieder. Dies gilt hingegen nicht nur für
westliche Darstellungen. Selbst auf den gotländischen Bildsteinen
sind die männlichen Oberbekleidungen als lang anzusprechen. Die
Minimallänge dürfte in etwa auf halber Länge des
Oberschenkels gelegen haben. Knielang erscheint jedoch weitaus
häufiger. | | |
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| | Das Schnittmuster:
Prinzipiell
ist das Schnittmuster recht einfach aufgebaut. Man kann es grob in drei
Kategorien einteilen, in deren Reihenfolge man am Besten auch vorgeht:
Oberkörper, Rockschoß und Ärmel.
Bevor Ihr aber loslegt: Lest Euch die Anleitung
genau durch. Seht Euch die Abbildungen sehr genau an. Seht Euch die
Tipps an. Und denkt vor allem mit! Denn wir übernehmen keinerlei
Haftung für Dinge, die IHR verschneidet. | | |
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| | Schematische Darstellung des Oberkörpers mit dem Rockschoß | | |
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| | Der Oberkörper:
Der Oberteil der Tunika ist relativ leicht herzustellen. Man braucht
sich nur die Vorlage unten ansehen und die entsprechenden Maße
eintragen. Dabei sollte man allerdings beachten, dass die hier gezeigte
Schablone nur die Hälfte des Oberteils ausmacht (gestrichelte Linie).
Für das Aufzeichnen auf den Stoff einfach die Tipps weiter unten lesen.
Einen kleinen Unterschied
(nicht in der Zeichnung!) zwischen Vorder- und Rückenpartie gilt es
jedoch zu beachten: Der Halsausschnitt auf der Rückseite sollte etwas
höher sein als der auf der Vorderseite.
Außerdem immer bedenken: Nicht die Maße des
Körpers direkt auf den Stoff übertragen!!! Man will sich
schließlich noch bewegen können. Also einige Zentimeter
hinzugeben für Bewegungsfreiheit und natürlich auch die
Nahtzugaben nicht vergessen. Die Kleidungsstücke aus Haithabu
waren zwar teilweise sehr körperbetont, aber trotzdem keine
Wurstpellen.
Wer es noch etwas
komfortabler möchte, sollte den Teil für den Rücken um einige (2 bis 5) Zentimeter
breiter gestalten als die spätere Brustpartie. Dabei muß
aber beachtet werden, dass die Schultern oben trotzdem die gleiche
Breite wie das Brustteil haben. Hier muss man also etwas freihand
arbeiten.
Wenn die Teile dann
erstmal zugeschnitten sind, näht man einfach die Schulten von
Rücken- und Brustteil. Dann fehlen nur noch die Nähte an den
Seiten unterhalb der Ärmel. Fertig ist das Oberteil der Tunika. | | |
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| | Der Oberkörper | | |
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| | Der Rockschoß:
Am leichtesten ist wirklich der Rockschoß zu nähen. Hier zwei Möglichkeiten: Mit und ohne Stecknadeln.
Ohne Stecknadeln:
Man näht erst einmal die beiden zentralen Keile der Vorder- und
Rückseite an das fertige Oberteil. Beim Annähen aber an den
Seiten noch jeweils ein Stück unveräht lassen, damit man die
Keile, die noch daneben sollen mit dem ersten Keil vernähen kann.
So immer wieder einen Keil neben den nächsten setzen bis
schließlich alle sechs mit dem Oberteil vernäht sind. Dabei
nicht vergessen, dass sich die Stücke seitlich auf ca. 1 cm
überlappen für die folgenden vertikalen Nähte.
Schließlich die Keile seitlich miteinander vernähen.
Mit Stecknadeln:
Ähnlich wie ohne.
Einfach erstmal die beiden Mittelkeile der Vorder- und Rückseite
mittig an das Oberteil stecken und anschließend die übrigen
vier Keile danebensetzen. Dann die Keile miteinander verbinden. Stecken
erstmal alle Nadeln kann man sich aussuchen wo man zu nähen
beginnt.
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| | Die Rockteile | | |
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| | Die Ärmel:
Weil ich ein fauler Kerl
bin, verweise ich erstmal auf die Anleitung zum Klappenrock, wenn ihr
den typischen Haithabu-Ärmel wollt. (Diese Konstruktionweise ist
bei allen 3 als Ärmel ansprechbaren Fragmenten aus Haithabu
nachgewiesen.)
Ansonsten könnt Ihr
auch den einteiligen Röhrenärmel nähen. Der verbraucht
nur mehr Stoff. Dafür übernehmt Ihr das Schema der
Keile für den Rockschoß: Die Länge entspricht der
gewünschten Armlänge plus Naht- und Saumzugabe. Das breite
Ende entspricht der Ärmelöffnung an der Schulter des
Oberteils plus Nahtzugabe. Das schmale Ende ist die Öffnung bei
der Hand plus Nahtzugabe. Nun noch den ganzen Schmonz entlang der
Längsseiten zusammennähen und schon habt Ihr einen einfachen
Ärmel. Wenn ihr das nun zweimal macht, hat man sogar alle
Ärmel, die man so braucht.
Zum Annähen der
Ärmel zieht Ihr die Tunika auf rechts und den Ärmel auf
links. Schiebt den Ärmel nun so in die Tunika, dass er in ihr
verschwindet und die Kanten der Schulteröffnungen des Oberteils
und des Ärmels aufeinander zum Liegen kommen. Nun noch
Kontrollieren, dass die Längsnähte des Ärmels auch da
liegen, wo sie später hin sollen und entweder gleich loslegen zu
nähen oder vorher noch feststecken.
Solltet Ihr Euch für
den Haithabu-Ärmel entschieden haben, werdet Ihr vermutlich
ziemlich schnell feststellen: "Verdammt mein Ärmel ist oben zu eng
für die Öffnung in der Tunika!" - Kein Problem. Für
diesen Fall sind die beiden Keile. Ich mache dass immer so, dass ich
den oberen Teil des Ärmels noch nicht fertig zusammennähe
(etwa eine Hand breit offen lassen), bevor er an die Schulter
genäht wird. Also erst die Schulter und den Ärmel miteinander
vernähen und dann ruhig mal anziehen. Dann jemanden ausmessen
lassen wieviel in der Breite unter der Schulter fehlt und für die
entsprechende Bewegungsfreiheit beim Armheben. Nach diesen Maßen
den Keil herstellen und Einnähen. Auf diese Art und Weise
spart man sich eine Menge Rechnerei und Arbeit, bevor man am Ende evtl.
feststellen muß: "Oh, passt nicht!" (Alles schon mitgemacht...) | | |
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| | Unser Vorschlag für einen zweiteiligen Ärmel nach Vorlagen aus Haithabu | | |
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| | Unterarmkeile | | |
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| | Abschließende Arbeiten:
Wenn
Ihr es bis hier geschafft habt, sind möglicherweise schon eine
Menge Schweiß und Tränen geflossen. Vielleicht glaubt Ihr,
das Schlimmste liege nun hinter einem? - Weit gefehlt! Zum einen müsst
Ihr den unteren Rand der Tunika noch verrunden und vor allem liegen
noch
etliche Meter an Nähten vor Euch, die Ihr versäubern
müsst. Ganz zu schweigen von den Rändern der
Ärmelöffnungen, des Halsausschnittes und des Rockschosses.
Ja, die wollen auch noch umsäumt bzw. versäubert werden. Aber
keine Sorge, wenn das hinter Euch liegt, werdet Ihr feststellen, dass
es sich gelohnt hat! Denn schaut mal in den nächsten Absatz: | | |
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| | Der Tragekomfort:
Nun da Ihr
es geschafft habt, gratuliere ich zu einer Tunika, die nicht nur
authentisch ist und gut aussieht, sondern auch noch sehr bequem ist. Ja
wenn man sie das erste Mal zur Probe trägt, hat man vielleicht den
Eindruck, dass man mit dem Rockschoss nicht einen vernünftigen
großen Schritt machen kann. (Das dachte ich zumindest beim ersten
Mal.) Doch wenn man sich erstmal traut, wird man feststellen, dass es
trotzdem sehr gut geht. Wenn man alles Richtig gemacht hat, ist trotz
der Körperbetontheit der Tunika die Bewegungsfreiheit in keinem
Maße eingeschränkt (siehe Bild unten).
Durch den Schnitt fällt der Rockschoss zudem ideal in sich
zusammen und durch seine Länge lässt er einen zudem sehr
schlank und groß wirken. Die Engen Ärmel tun ein
übriges zu diesem Eindruck. Außerdem bietet die relative
Enge einen weiteren ungeahnten Vorteil: Das gute Stück hält
im Verhältnis zur Stoffdicke erstaunlich gut warm. Mein erstes
Exemplar ist aus relativ dünnem Wollstoff und hat mir morgens bei
4 Grad Celsius Aussentemperatur als einziges Oberbekleidungsstück
über eine Stunde gereicht. (Allerdings bin ich auch nicht
übermäßig kälteempfindlich. Wenn Ihr Euch also
trotzdem erkältet, übernehme ich keinerlei Verantwortung.) | | |
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| | Die Haithabu-Tunika in Aktion | | |
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| | Tipps:
Als
kleiner Tipp vorweg, der eigentlich Allgemeingültigkeit hat: Wenn
Ihr mal nicht weiter wisst oder genervt seid, versucht nicht es jetzt
auf Teufelkommraus. Denkt lieber bei einer Tasse Kaffee, einem Bier
oder - wenn Ihr es unbedingt braucht - bei einer Zigarette über
das Problem nach. Sprecht nach Möglichkeit mit anderen Leuten
darüber und versucht so eine Lösung zu
finden. Wenn es dann immer noch nicht geht, lasst Euch einen
Tag Zeit. Wenn es dann immer noch nicht funktionieren will, darf man
uns auch eine E-Mail schicken und fragen.
Das Wichtigste ist: Vor allem mit kühlem Kopf basteln!
Für
die Maße des Oberteils könnt Ihr Euch eine Menge Rechnerei
und Verknotung in Maßbändern sparen, wenn Ihr einfach ein
gut sitzendes T-Shirt auf dem Boden ausbreitet und die Masse von diesem
übernehmt. Dann braucht Ihr nur noch die Nahtzugaben dazu rechnen.
Damit die Teile des Oberkörpers möglichst gleich sind,
schlagt Eure Stoffbahn auf die Hälfte der Breite um. Streicht die
Faltkante und den Stoff sorgfältig glatt. Zeichnet nun eine
Hälfte des Vorderteils auf den Stoff. Achtet dabei darauf, dass
die spätere Mittelnaht exakt in der gefalteten Kante anliegt. Wenn
Ihr jetzt das Teil ausschneidet, solltet ihr darauf achten, dass Ihr
durch beide Stofflagen schneidet. Jetzt habt Ihr das Vorderteil
komplett.
Für das Rückenteil nehmt ihr jetzt einfach Euer(e)
Vorderteil(e) als Schablone zum Zeichnen. Nur den Halsauschnitt
müßt ihr diesmal etwas höher zeichnen.
Wenn man den Rücken etwas breiter haben möchte als das
Vorderteil: Faltet Eure Stoffbahn wieder wie beim Zeichnen für das
Vorderteil. Nehmt das hälftig zusammengeschlagene Vorderteil und legt es im
entsprechenden Abstand zur Faltkante entfernt auf den Stoff. Nun
zeichnet ihr Eure Schablone auf den Stoff bis zur Faltkante ab.
Dann könnt Ihr ausschneiden. | | |
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| | Literaturnachweis: | | |
| | Inga Hägg, Die
Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu.
Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu 29 (Neumünster 1991). | | |
| | Inga Hägg, Die Textilfunde aus dem Hafen von
Haithabu. Berichte über die Ausgrabungen in Haithabu 20 (Neumünster 1984). | | |
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